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dmkg archiv - forschungChronische KopfschmerzenVon Prof. H.C.Diener Als die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) im Jahre 1988 ihre
Kriterien zur Klassifikation und Diagnose der Kopfschmerzen publizierte
(1) war der Begriff chronische, tägliche Kopfschmerzen nicht enthalten. Dies beruhte darauf, daß zum damaligen Zeitpunkt keine prospektiv erhobenen Daten zur Inzidenz, klinischen Ausprägung, Pathophysiologie und Therapie dieser Kopfschmerzform vorlag. Dies hat sich in der Zwischenzeit geändert (2). Die diagnostischen Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft dienen allerdings in erster Linie dazu, im Rahmen der Kopfschmerzforschung möglichst homogene Patientenpopulationen bezüglich einer Kopfschmerzart zu kreieren. Sie sind nicht primär dafür
gedacht, einzelne Patienten diagnostisch einzuordnen. Arten des chronischen Kopfschmerzes:
Im amerikanischen Schrifttum wird eine Variante des chronischen Kopfschmerzes als transformierte Migräne beschrieben (3). Diese Patienten hatten ursprünglich eine typische in Attacken auftretende Migräne und leiden dann später unter einem täglichen Kopfschmerz. Diese Patienten haben entweder in der Zwischenzeit einen medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz entwickelt oder leiden zusätzlich an einem chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp. Medikamenteninduzierter
Dauerkopfschmerz (4) Daten zur Prävalenz und Inzidenz medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerzen sind nicht verfügbar. In den spezialisierten Kopfschmerzzentren liegt die Prävalenz bei 5% bis 10% der Patienten. In einer Metaanalyse, die 29 Studien mit insgesamt 2612 Patienten mit medikamenteninduziertem Dauerkopfschmerz umfaßte, zeigte sich, daß Frauen im Verhältnis von 3,5 : 1 überrepräsentiert sind (4). Patienten, bei denen ursprünglich eine Migräne bestand, beschreiben zum einen einen konstanten dumpf-drückenden, diffusen Kopfschmerz ohne autonome Beteiligung. Patienten, die im Rahmen des Abusus Ergotamin, Dihydroergotamin oder Triptane einnehmen, beschreiben in den frühen Morgenstunden einen migränetypischen, pulsierenden pochenden Schmerz, häufig kombiniert mit vegetativen Erscheinungen. Der Kopfschmerz bessert sich 30-120 Minuten nach der erneuten Einnahme eines Mutterkornalkaloids oder eines Triptans, wobei der dumpf-drückende Dauerkopfschmerz bestehen bleibt. Patienten mit chronischem Kopfschmerz vom Spannungstyp und posttraumatischem Kopfschmerz können nach klinischen Kriterien nicht zwischen dem ursprünglichen Kopfschmerz und dem medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz unterscheiden. Hier ergibt sich die Differenzierung erst nach einem Medikamentenentzug. Ursprünglich war angenommen worden, daß nur die gehäufte Einnahme von Ergotamin zum medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz führt. In der Zwischenzeit ist allerdings belegt, das potentiell jeder Bestandteil von Schmerzmitteln und spezifischen Migränemitteln einschließlich Sumatriptan diese Art von Kopfschmerzen hervorrufen kann. Die klinische Beobachtungszeit für die Einnahme der neuen Triptane wie Zolmitriptan und Naratriptan ist noch zu kurz. Die Auswertung von Kopfschmerztagebüchern zeigte, das 95% der Patienten mehr als 1 Substanz mißbräuchlich einnehmen und daß die mittlere Zahl der täglich applizierten Tabletten oder Zäpfchen im Mittel bei 4,9 liegt (4). Die Patienten nehmen im Mittel zwischen 2,5 und 5,8 verschiedene pharmakologische Komponenten zu sich. Klinische Beobachtungen zeigen, daß Patienten, bei denen ursprünglich eine Migräne oder Spannungskopfschmerz besteht ein höheres Risiko haben einen medikamentös bedingten Dauerkopfschmerz zu entwickeln. Dies könnte zum einen daran liegen, daß eine spezifische genetische Disposition besteht oder zum anderen an der Intensität der Schmerzen bei Migräneattacken im Vergleich zu anderen Schmerzen (z. B. Arthrose). Die Therapie der Wahl ist der Medikamentenentzug. Leider gibt es bisher keine prospektiven randomisierten Studien, die über einen begrenzten Zeitraum Patienten mit fortgesetztem Medikamentenmißbrauch und solche mit Medikamentenentzug verglichen hätten. Die typischen Entzugserscheinungen nach der Beendigung der symptomatischen Medikation dauern im Schnitt 3,5 Tage und umfassen den Entzugskopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckregulationsstörungen, Tachycardie, Schlafstörungen, Unruhe, Angst und Nervosität. Langzeitkatamnesen zeigen, daß die Erfolgsquote nach 6 Monaten bei etwa 73% liegt und im Langzeitverlauf zwischen 60 und 70%. Als Erfolg ist hier definiert, wenn eine Reduktion der Kopfschmerztage um 50% und mehr/Monat erreicht wird. Bei Patienten, bei denen die regelmäßige Medikamenteneinnahme weniger als 5 Jahre beträgt, die eine Monosubstanz einnehmen, bei denen keine psychische Comorbidität besteht und sich in fester partnerschaftlicher Beziehung befinden, kann ein ambulanter Medikamentenentzug durchgeführt werden. Sind bereits erfolglos ambulante Entzüge versucht worden, besteht ein zusätzlicher Mißbrauch mit Tranquillizern oder Anxiolytika, besteht eine Begleitdepression und ausgeprägte Angst vor den Entzugssymptomen, erfolgt der Entzug stationär. Als Überprückungsmedikation können nichtsteroidale Antirheumatika, die intravenöse Gabe von Acetylsalicylsäure und Antiemetika eingesetzt werden. Wenn die Schmerzen nicht durch Mutterkornalkaloide oder Triptane induziert waren und eine Migräne besteht kann für einen kurzen Zeitraum auch Dihydroergotamin s. c. gegeben werden. Schmerz- und Migränemittel werden abrupt abgesetzt. Barbiturate, Tranquillizer und Opioide müssen ausschleichend reduziert werden. Wichtig ist, bereits frühzeitig eine medikamentöse und nichtmedikamentöse Prophylaxe des ursprünglichen Kopfschmerzes, sei es Migräne oder Spannungskopfschmerz zu beginnen. Chronischer Kopfschmerz
vom Spannungstyp: Am besten untersucht ist die Gabe des trizyklischen Antidepressivum Amitriptylin in Dosen zwischen 25 und 100 mg/Tag. Die modernen selektiven 5-HT Wiederaufnahmehemmer sind nicht wirksam. Im Rahmen der Prophylaxe sollten auch nichtmedikamentöse Therapieverfahren insbesondere die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson zum Einsatz kommen. Neu aufgetretener täglicher Kopfschmerz Hemicrania
continua: Zusammenfassung: Literaturverzeichnis
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