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Was sind die Vor-und Nachteile der neuen Migränemedikamente
zur Attackentherapie?
Antwort:
"Die Serotonin-1B/D-Rezeptoragonisten im Überblick Serotonin-1B/D-Rezeptor-Agonisten
(5-HT1B/D-A) stellen eine neue, hochwirksame Klasse Migräne-spezifischer
Medikamente dar und sind zugelassen für die Behandlung der Migräne
mit und ohne Aura (nicht jedoch die basiläre und familiär hemiplegische
Migräne). In ihrem Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil, sowie den
Kontraindikationen unterscheiden sich die Einzelsubstanzen nur wenig.
Häufigkeit und Intensität von Nebenwirkungen hängt unter
anderem sehr davon ab, wie rasch eine Substanz wirkt (schnellste Wirkung
bei Sumatriptan s.c., langsamste Wirkung bei Naratriptan, siehe auch
Pharmakologische Übersicht). Die wichtigsten Nebenwirkungen sind:
Druck-, Wärme-, Kälte- und Schweregefühl vor allem im
Brust- und Halsbereich,"Brustschmerzen", Atemnot, Herzklopfen,
Blutdruckanstieg, Bradykardien, Tachykardien, Muskelschmerzen, Benommenheit,
Schläfrigkeit und Mundtrockenheit. Dabei ist zu bedenken, daß diese
Beschwerden teilweise auch Symptome einer Migräneattacke sein können.
Nach subcutaner Injektion von Sumatriptan kommt es zudem häufig
zu vorübergehenden und ungefährlichen Reaktionen an der Injektionsstelle,
nach nasaler Applikation sind Irritationen der Nasenschleimhaut und vorübergehende
Geschmacksstörungen möglich.
Alle 5-HT1B/D-A sind kontraindiziert bei schlecht eingestellten Bluthochdruck,
einem Herzinfarkt od. zerebralen Ischämie in der Vorgeschichte,
koronarer Herzerkrankung, Prinz-Metall-Angina und peripheren vaskulären
Erkrankungen. Alle Präparate dürfen nicht mit Ergotamin-haltigen
Medikamenten kombiniert werden. Sumatriptan darf zudem nicht, Zolmitriptan
nur mit Einschränkungen mit MAO-A-Hemmern kombiniert werden.
Die Substanzen unterscheiden sich in der Häufigkeit des Wiederauftretens
der Kopfschmerzen (bei initial guter Wirkung): Sumatriptan bis 40% der
Patienten, Zolmitriptan bis bis 30 % der Patienten, Naratriptan ca. 19%
der Patienten. Zolmitriptan und Naratriptan überschreiten die Blut-Hirnschranke,
sind also auch zentral wirksam und könnten somit bei Patienten wirken,
die nicht auf Sumatriptan ansprechen.
Das aktuelle Spektrum der derzeit verfügbaren Präparate ist
im folgenden zusammengefaßt (weitere Präparate sind in der
Entwicklung):
1. Sumatriptan (Imigran®, Fa. Glaxo-Wellcome) Die Substanz ist verfügbar
zur subcutanen Injektion, als Tablette, Zäpfchen oder Nasenspray.
Sumatriptan s.c. ist zusätzlich auch zur Behandlung des Cluster-Kopfschmerz
zugelassen.
2. Zolmitriptan (Ascotop®, Fa. Zeneca) Die Substanz ist als Tablette
zu 2.5 mg erhältlich.
3. Naratriptan (Naramig®, Fa. Glaxo-Wellcome) Die Substanz ist als
Filmtablette zu 2.5 mg erhältlich.
Allgemeine Regeln bei Gabe von 5-HT1B/D-A:
Keine Kombination mit Ergotaminen (24 h Intervall muß eingehalten
werden)
Keine Kombination der einzelnen 5-HT1B/D-A bei der Behandlung einer Attacke.
Wenn die erste Dosis nicht wirkt, ist es sehr unwahrscheinlich, daß eine
2. Dosis in derselben Attacke wirkt. Wenn ein Präparat bei 3 Attacken
nicht gewirkt hat, muß von einem Nicht-Ansprechen auf dieses Präparat
ausgegangen werden.
Wieder auftretende Kopfschmerzen sprechen in der Regel erneut auf das
erstmals verwendete Präparat an. Die Einnahme soll aber erst bei
Einsetzen der Kopfschmerzen erfolgen (Keine prophylaktische Einnahme).
Bei Patienten über 65 Jahren wird die Anwendung von 5-HT1B/D-A nicht
empfohlen. Daher sehr strenge Indikationsstellung und sorgfältiger
Ausschluß von Kontraindikationen (ggf. Belastungs-EKG etc.) Daten
zur Anwendung bei Kindern liegen nicht vor. Die Anwendung wird hier bislang
nicht empfohlen.
Die Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit wird ebenfalls nicht
empfohlen.
Darreichungsformen und pharmakologische Übersicht
Dr med. S. Förderreuther
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