dmkg pressemitteilungen 2009
Asiatische Kampfkunst erhöht Schmerzschwellen
Studie untersucht, wie Abhärtungstraining auf Schmerzempfindung
wirkt
In
vielen asiatischen Kampfkünsten gehört es traditionell
zum Training dazu, sich Schmerzen zuzufügen, um auf Dauer gegen Schmerzen
abgehärtet zu sein. Wissenschaftler der Klinik für Neurologie
des Universitätsklinikums Münster haben jetzt experimentell untersucht,
wie sich dieses sogenannte Abhärtungstraining auf die Schmerzempfindung
auswirkt. In einer Pilotstudie befragten sie dazu über 100 Sportler
in Deutschland, die asiatische Kampfkünste ausüben. "Dabei gab
die Mehrheit an, dass sich durch die Abhärtungsübungen sowohl
die Schmerzintensität als auch die affektive Bewertung von Schmerzen
verändern wurde. So berichten viele Sportler, dass der Schmerz zwar
noch gespürt, die Ausübung des Sports aber nicht mehr beeinträchtigt
wird," sagte Prof. Dr. Dr. Stefan Evers, Vizepräsident der Deutschen
Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und Leiter der Studie.
Es könne also sein, dass die Aktivierung schmerzhemmender Systeme
durch Zufügung von Schmerzen langfristig auch zu einer positiven Beeinflüssung
von Kopfschmerzen führt.
Bei Probanden, die regelmäßig Kung Fu betreiben, untersuchten
die Wissenschaftler dann im Verlauf solcher Abhärtungsübungen,
wie sich Schmerzwellen verändern. Dabei fanden sie heraus, dass
nicht nur die Schmerzschwellen am Körper durch das Training ansteigen
- dies bedeutet das der Reiz immer stärker werden muss, um denselben
Schmerz zu erzeugen - sondern, dass auch die Schmerzschwellen im Gesicht
ansteigen, obwohl das Gesicht bei den Übungen gar nicht berührt
worden ist. Die Gesichtsregion wird vom Nervus trigeminus versorgt,
der auch für Kopfschmerzen verantwortlich ist. Die Abhärtungsübungen,
die in dieser Studie ausschließlich an den Armen und Beinen durchgeführt
worden waren, führten also auch dazu, dass die Schmerzempfindung
bei Kopfschmerzen nachließ.
Es soll nun systematisch untersucht werden, ob eine kontrollierte
Aktivierung der Schmerzhemmung auch langfristig therapeuthisch in der
Kopfschmerztherapie genutzt werden kann.
Weitere Informationen:
1. Vizepräsident der DMKG e.V.
Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers
Universitätsklinikum Münster
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Albert-Schweitzer-Straße 33
D-48129 Münster
Tel.: +49 251 8348196
Fax: +49 251 8348181
E-Mail: everss@uni-muenster.de
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