dmkg-pressemitteilungen 2009
Nichtmedikamentöse Verfahren bei Behandlung von Migräne
und Kopfschmerzen
Effektive Wege als Ergänzung und Alternative
zu Medikamenten
Hamburg, 31. März 2009 -
Neben Empfehlungen zur medikamentösen
Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne stellt die neue Leitlinie
der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) auch eine
Reihe nicht-medikamentöser Möglichkeiten vor. Aufgrund der
wissenschaftlichen Ausrichtung werden dabei nur diejenigen Verfahren
genannt, die Evidenz basiert sind und damit allgemeingültigen Charakter
in Anwendung und Wirkung aufweisen. „In der Prophylaxe der Migräne
erreichen nicht-medikamentöse Verfahren mittlerweile denselben Evidenzgrad
wie medikamentöse Verfahren. Sie werden deswegen auch alternativ
zur Behandlung mit medikamentösen Prophylaktika (vorbeugender Mittel)
empfohlen,“ sagt Prof. Dr. Peter Kropp, Generalsekretär und
Pressesprecher der DMKG und Direktor des Instituts für Medizinische
Psychologie der Universität Rostock, anlässlich einer Pressekonferenz
in Hamburg. Es gebe einige Verfahren, die allesamt aus der Verhaltenstherapie
stammen und bei unterschiedlichen Studien bereits effektive Erfolge gezeigt
haben. In den Leitlinien sind die Evidenzklassen dieser Verfahren aufgeführt.
(vgl. Tabelle 7)
Entspannung ist eines der wirkungsvollsten Verfahren in der Verhaltenstherapie.
Sie dient der Behandlung von Spannungs- und Schmerzzuständen sowohl
bei akuter Anwendung als auch in der Prophylaxe. Entspannungsverfahren
können schnell und effektiv erlernt und eingesetzt werden. Metaanalysen
kommen übereinstimmend zu der Einschätzung, dass Entspannungsverfahren
(meist die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) eine Reduktion
der Migränehäufigkeit von 35 bis 45 Prozent erreichen.
Biofeedback
Unter Biofeedback wird die visuelle oder akustische Rückmeldung
von definierten Körperfunktionen verstanden. Diese Körperfunktionen
werden dadurch exakt wahrnehmbar gemacht und können so willentlich
kontrolliert werden. Die wichtigsten unimodalen Verfahren sind die thermale
Biofeedbackbehandlung und die EMG-Biofeedback-Therapie. Bei dieser Therapietechnik
lernt der Patient, eigentlich unveränderbare (unwillkürliche)
Körperfunktionen so zu verändern, dass die begleitenden Schmerzen
kontrolliert und vermindert werden können.
Kognitive Verhaltenstherapie
Als multimodales Verfahren kommt die kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
zur Anwendung. Die Therapieverfahren werden in der Migränebehandlung
sowohl schmerzspezifisch als auch schmerzunspezifisch im Sinne allgemeiner
Lebensstiländerungen angewandt. Schmerzunspezifische Verfahren
zielen auf Stärkung der Selbstkontrollkompetenz (Beispiel: ‚Ich
muss nicht immer 150-prozentig sein, nicht immer ja sagen müssen.’)
(unimodal) oder Minimierung der Beeinträchtigung beziehungsweise
verbesserte Schmerzbewältigung. Hier werden die die Schmerzen
begleitenden Kognitionen (z.B. Katastrophisierung) angegangen und verändert
(multimodal). Der multimodalen KVT liegt das bio-psycho-soziale Schmerzmodell
zugrunde. Dieses besagt, dass der Schmerz sowohl durch biologische
(Medikamente), psychologische und/oder soziale Faktoren (effektive
soziale Unterstützung durch Partner oder Angehörige) kontrolliert
werden kann, Die KVT ist kognitiv-behavioral ausgerichtet und berücksichtigt
die Komponenten und Ebenen eines Menschen, in denen sich die Konsequenzen
der Schmerzerkrankung im Einzelfall finden lassen.
Beispielsweise Auswirkungen häufiger Kopfschmerzen im beruflichen
und gesellschaftlichen Bereich. Das Hauptziel dieses Verfahrens ist die
Minimierung (Ent-Katastrophisierung, Aufmerksamkeitsverschiebung) der
Beeinträchtigung durch den Schmerz sowie die Erhöhung der Selbstkontrolle.
Für die KVT liegen für Kopfschmerzpatienten gut ausgearbeitete
standardisierte Programme vor. Dazu gehören zum Beispiel die „MIPAS“,
Konkordanz-Therapie und das Training nach Denecke & Kröner-Herwig.
Sie lässt sich zeit- und kostenökonomisch durchführen
(unter zehn Sitzungen) und ist in der Gruppendurchführung genauso
wirksam wie bei Einzeldurchführung.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dipl.-Psych. Peter Kropp, Generalsekretär, Pressesprecher
der DMKG
Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie der Universität
Rostock
Gehlsheimer Straße 20, D-18147 Rostock
Tel.: +49-381-494-9530
Fax: +49-381-494-9532
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