FAQ

Hilft Magnesium (bzw. die Kombination mit Vitamin B2) gegen Migräne und was ist bei der Anwendung zu beachten?

"Die Frage nach der Wirksamkeit von Magnesium lässt sich derzeit nicht abschließend beantworten. Obwohl ein vorbeugender Effekt von Magnesium auf die Migräne schon seit Jahrzehnten diskutiert wurde, gab es über lange Zeit keine aussagekräftige Studien. Zwei zeitgleich 1996 publizierte Studien zeigten dann widersprüchliche Ergebnisse: Die erste ergab bei von Allgemeinärzten betreuten Patienten einen Vorteil in der Attackenreduktion von 25% (oder durchschnittlich einer Attacke pro Monat) gegenüber Scheinmedikation (Placebo) nach dreimonatiger Therapie mit 600 mg (24mmol) pro Tag, die zweite zeigte bei Patienten an Kopfschmerzzentren keinen Vorteil gegenüber Placebo nach dreimonatiger Gabe von 486 mg (20mmol) pro Tag. Der Effekt scheint somit allenfalls gering zu sein, zur Zeit stehen für eine dritte Studie keine Mittel in Aussicht. In den aktuellen Therapieleitlinien der Fachgesellschaften gehört hochdosiertes Magnesium zu den Vorbeugemitteln (Prophylaktika) der zweiten Wahl.

In der Praxis ist ein Therapieversuch mit 600 mg Magnesium (nur für diese hohe Dosis gibt es Wirksamkeitshinweise) gerechtfertigt. Dieses gilt vor allem für PatientInnen in der Schwangerschaft oder Stillzeit, wo die meisten Prophylaktika nicht eingenommen werden dürfen, für PatientInnen, die eine andere medikamentöse Prophylaxe ablehnen, für SportlerInnen, die mit Betablockern oder anderen Mitteln nicht zurechtkommen, oder für Patienten mit ausgeprägter Verstopfung, die auch durch Medikamente verursacht/verstärkt werden kann.

 In der positiven Studie wurde Magnesiumcitrat verwendet, das zum Beispiel als Magnesium Diasporal verfügbar ist. Zunächst wird einer, dann 2 x 1 Beutel pro Tag eingenommen. Neuerdings steht auch eine Kombination von hochosiertem Magnesiumcitrat mit ebenfalls hochdosiertem Vitamin B2 zur Verfügung (Ortho expert Migräne Pulver, eine Dosis enthält 300 mg Magnesiumcitrat und 200 mg Vitamin B2). Für Vitamin B2 lieferten mehrere, allerdings kleine Studien ebenfalls Hinweise auf positive Effekte auf die Migräne. Nach bisheriger Studienlage sollten auch von der Kombination zunächst einer, dann 2 Beutel am Tag eingenommen werden. Die Kombination von Magnesium mit Vitamin B 2 oder mit anderen Prophylaktika wurde allerdings bisher nicht in Studien untersucht. Der Vorteil von beiden Substanzen ist die gute Verträglichkeit. Bis auf Patienten mit hochgradig eingeschränkter Nierenfunktion kann jeder Magnesium (auch Vitamin B2) einnehmen, auch in der Schwangerschaft oder Stillzeit. Einzige wichtige mögliche Nebenwirkung von Magnesium ist eine (dosisabhängige und nach Dosisanpassung reversible) Stuhlerweichung oder Durchfall, eine Aufdosierung auf 600 mg ist deshalb nicht immer möglich. Von Vitamin B2 färbt sich der Urin gelb (harmlos). Ob die Therapie erfolgreich ist, sieht man innerhalb der ersten 8 – 10 Wochen der Anwendung. Über Langzeiteffekte der Therapie gibt es keine Untersuchungen. Beide Präparate werden von den Krankenkassen nicht erstattet."

Dr. med. A. Peikert, Bremen

Literatur:
Peikert A, Wilimzig C, Köhne-Volland R. Prophylaxis of migraine with oral magnesium: results from a prospective, multi-center, placebo-controlled and double-blind raandomized study. Cephalalgia 1996;16;257-63
Pfaffenrath v, Wessely P, Meyer C, Isler HR, Evers S, Grotemeyer KH, Taneri Z, Soyka D, Göbel H. magnesium in the prophylaxis of migraine - a double-blind, placebo-controlled study. Cephalalgia 1996;16;436-40.

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