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Bericht vom 6. Dreiländertreffen Kopfschmerzsymposium

Alle zwei Jahre richten die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), die Österreichische Kopfschmerzgesellschaft (ÖKSG) und die Schweizerische Kopfwehgesellschaft (SKG) ein Dreiländertreffen aus. Dort treffen sich Kopfschmerzforscher und niedergelassene Therapeuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, um sich über aktuellen Forschungsergebnisse und interessante klinische Fallbeispiele aus der Praxis auszutauschen. Dieses Jahr fand das Treffen vom 15.03.-17.03.2018 an der deutsch-schweizerischen Grenze in Bad Zurzach statt, wo es in der dortigen RehaClinic hauptorganisatorisch von der SKG ausgerichtet wurde. Insgesamt trafen sich knapp 175 Teilnehmer, welchen ein abwechslungsreiches Programm aus wissenschaftlichen und klinischen Themen geboten wurde. Dieses Jahr lag ein besonderer Fokus auf dem Kopfschmerz in der Hausarztpraxis, da viele Patienten zunächst ihren Hausarzt aufsuchen. Das Tagungsmotto „Kopfschmerzen im Trend – Therapeutische Entwicklungen“ verdeutlichte, dass im Kopfschmerzbereich gerade viel passiert, deshalb durften aktuelle Themen wie neue Prophylaktika, integrierte Versorgungsmodelle, multimodale Schmerztherapie und Digitalisierung nicht fehlen. Ein wichtiges Thema waren die neuen monoklonaren Antikörper gegen CGRP bzw. den CGRP-Rezeptor. Hierbei wurde versucht, sich diesem Ansatz möglichst reflektiert zuzuwenden. So wies PD Dr. Tim P. Jürgens darauf hin, dass wir neben CGRP nicht die anderen möglichen Player vergessen dürften. Er berichtete von anderen aktuellen Entwicklungen und präsentierte Daten zu Lasmiditan, Amilorid, Dopamin und zum PACA-Peptid. Auch die Kontroversen zu Cannabinoiden griff er kurz auf. Prof. Dr. Karl Messlinger sprach über mögliche Risiken einer dauerhaften CGRP-Blockade. CGRP hat im menschlichen Körper viele Funktionen; so gibt es kaum ein Organsystem, in dem CGRP-Rezeptoren nicht exprimiert werden. Er präsentierte Studien aus der physiologischen Grundlagenforschung, um die Bedeutung von CGRP aufzuzeigen. In der anschließenden Diskussion berichteten die Beteiligten, dass in den aktuell durchgeführten klinischen CGRP-Studien die Nebenwirkungen niedrig sind. Hier wird sich zukünftig zeigen müssen, inwiefern sich die Ergebnisse aus Grundlagen- und klinischer Forschung interpretieren lassen.

In einer Pro-Contra-Debatte wurden Chancen und Risiken einer zunehmenden Digitalisierung in der Kopfschmerzbehandlung diskutiert. Für die Pro-Seite sprachen laut Dr. Lars Neeb. Insbesondere der gute Zugang in Zeiten der medizinischen Unterversorgung im ländlichen Raum sei ein Vorteil. So ließen sich Daten erheben, die sowohl für den Kopfschmerztherapeuten als auch für wissenschaftliche Studien relevant sind. Therapeutisch könnten verschiedene nicht-pharmakologische Behandlungsverfahrungen angeleitet werden, z.B. Entspannungsverfahren. Hingegen sprach Dr. Retro Agosti über mögliche Nachteile, wie die Reduktion der Interaktion auf den sprachlichen Inhalt, den daraus resultierenden Informationsverlust, sowie fehlende Möglichkeiten für Rückfragen. Viele Fragen zu juristischen Konsequenzen, Datenschutz etc. sind noch nicht abschließend geklärt. Auch ist nicht davon auszugehen, dass jeder Anwender mit der Digitalisierung zurechtkommt. Die Teilnehmer sahen in der Digitalisierung durchaus Chancen und glauben, dass diese zukünftig eine wesentliche größere Rolle spielen wird.

Prof. Dr. Gabriele Merki referierte über den Zusammenhang zwischen Migräne und Sexualhormonen bei Frauen, bei der menstruellen Migräne ist die Prophylaxe noch immer unbefriedigend. Während Kurzzeitprophylaxe NSARs oder langwirksame Triptane in der perimenstruellen Phase eingenommen werden können, scheint die Eliminierung der Östrogenzyklen hingegen eine Strategie für die Langzeitprophylaxe zu sein. Alternativ können Gestagenpräparate in Betracht gezogen werden. In ihrem Vortrag ging Frau Merki auch auf den Zusammenhang zwischen Migräne (mit Aura) und ischämischem Schlaganfall ein. Frühere Studien zeigten, dass östrogenhaltige Kontrazeptiva das Risiko hierfür erhöhen können. Moderne Kontrazeptiva mit geringeren Östrogendosen sind hingegen sicherer, sodass bei Patienten mit Migräne ohne Aura deshalb keine Einschränkung in der Anwendung einer kombinierten oralen Kontrazeption erforderlich ist.

Das Treffen lebte auch von den praxisrelevanten Workshops, die angeboten wurden. Zum Abschluss der Tagung stellte Frau PD Dr. Dagny Holle Neuigkeiten der ICHD-3-Klassifikation vor, dessen endgültige Version im Januar 2018 veröffentlicht wurde.

Vortragsssaal in Bad Zurzach

    

Die 3 Vertreter der nationalen Kopfschmerzgesellschaften (von links) PD. Dr. S. Förderreuther (Präsidentin, DMKG), PD Dr. A. Gantenbein (Präsident, SKG), Dr. K. Zebenholzer (Vizepräsidentin, ÖKSG)

    

Posterbegehung

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