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dmkg therapie empfehlungen
Therapie
idiopathischer Kopfschmerzen im Kindesalter
Autoren: Stefan Evers, Raymund
Pothmann, Michael Überall, Emil
Naumann, Wolf-Dieter Gerber
Zusammenfassung
Nach den Richtlinien der Evidence-Based
Medicine sind die spezifischen kontrollierten Studien für die Behandlung von idiopathischen Kopfschmerzen
im Kindesalter analysiert und in Therapieempfehlungen zusammengefaßt
worden. Mit der höchsten Evidenz werden für die Behandlung
akuter Migräneattacken oder Kopfschmerzen vom Spannungstyp Ibuprofen
(10 mg pro kg Körpergewicht) und Paracetamol (15 mg pro kg Körpergewicht)
empfohlen, im Ersatzfall kann Sumatriptan intranasal (10-20 mg) eingesetzt
werden. Für die medikamentöse Prophylaxe der Migräne werden
Betablocker (Propranolol oder Metoprolol), Flunarizin und Valproat empfohlen.
Flunarizin ist auch prophylaktisches Mittel der ersten Wahl bei migräne-ähnlichen
Syndromen. Für andere Kopfschmerzarten liegen keine kontrollierten
Studien für das Kindesalter vor. In der nicht-medikamentösen
Prophylaxe von Kopfschmerzen im Kindesalter werden mit höchster
Evidenz Entspannungsverfahren (progressive Muskelrelaxation), Biofeedbackenverfahren
und kindgerechte Trainingsprogramme empfohlen.
Schlüsselwörter: Kindesalter; Migräne;
Kopfschmerz vom Spannungstyp; Therapieempfehlungen
Treatment of idiopathic headache in
childhood - recommendations of the German Migraine and Headache Society
Summary
According to the principles of evidence-based medicine, the controlled
studies on the treatment of idiopathic headache in childhood have been
analysed and compiled to treatment recommendations. For the acute treatment
of migraine attacks or tension-type headache, ibuprofen (10 mg per kg
body weight) or acetaminophen (15 mg per kg body weight) are recommended
with highest evidence, intranasal sumatriptan (10 to 20 mg) can be given
as second choice. For the prophylaxis of migraine, betablockers (propranolol
and metoprolol), flunarizine, and valproic acid are recommended. Flunarizine
is the drug of first choice in the treatment of migraine-related disorders.
No controlled studies are available for the treatment of further headache
types. Frist line methods for the non-drug treatment of headache in childhood
are relaxation therapies, biofeedback, and specific training schedules.
Key words: migraine, tension-type headache, treatment recommendations
Einleitung
Kindliche Kopfschmerzen sind in den letzten Jahren zunehmend
in das Interesse der Medizin gerückt, nachdem sie lange Zeit nicht von
Kopfschmerzen im Erwachsenenalter differenziert worden waren. Die Deutsche
Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) trägt dieser Entwicklung
mit der hier vorgelegten erstmaligen Publikation von Therapieempfehlungen
für Kopfschmerzen im Kindesalter Rechnung. Wie auch die bisherigen
Therapieempfehlungen der DMKG orientieren sich diese Empfehlungen an
den Prinzipien der Evidence Based Medicine (EBM). Dies ist insbesondere
im Kindesalter schwierig, da kaum altersspezifische placebokontrollierte
Studien vorliegen, die modernen Anforderungen an kontrollierte Studien
genügen. Daher wird neben den Empfehlungen nach EBM für die
Migräne auch eine pragmatische Expertenempfehlung gegeben (vgl. Tabelle 1).
Im einzelnen werden folgende Stufenbewertungen nach EBM vorgenommen:
- Aussagen zur Wirksamkeit sind gestützt durch mehr als eine adäquate,
valide klinische Studie ohne Vorliegen von negativen Studien. Positive
Aussage ist gut belegt.
- Aussagen zur Wirksamkeit sind gestützt durch wenigstens eine
adäquate, valide klinische Studie. Positive Aussage ist belegt.
- Es
liegen keine sicheren Studienergebnisse vor, die eine günstige
oder ungünstige Wirkung belegen. Dies kann durch das Fehlen entsprechender
Studien oder durch widersprüchliche Studienergebnisse bedingt sein.
Die Empfehlungen richten sich auf Kinder und Jugendliche bis zum Ende
der Pubertät, im folgenden wird zusammenfassend für diese gesamte
Altersgruppe von Kindern gesprochen. Hiervon unberührt bleibt, daß viele
Kopfschmerzmedikamente nicht für den Einsatz von Kindern und Jugendlichen
unter 18 Jahren zugelassen sind.
Die Diagnostik kindlicher Kopfschmerzen stellt in der kinderärztlichen
Praxis ein spezifisches Problem dar. Diagnostische Empfehlungen sind
daher nicht Gegenstand dieser Publikation. Kopfschmerzen im Kindesalter
werden formal genauso wie im Erwachsenenalter nach den Kriterien der
International Headache Society (IHS) klassifiziert (35). Für Kinder
spezifische Abweichungen von den diagnostischen Kriterien der IHS werden
im Einzelfall gekennzeichnet.
Die Therapie idiopathischer Kopfschmerzen bereitet im Alltag häufig
Schwierigkeiten, obwohl inzwischen auch für Kinder Perspektiven
einer pragmatischen Behandlung zur Verfügung stehen. In der Langzeitperspektive
ist dabei zu berücksichtigen, daß bestimmte Kopfschmerzsyndrome
wie z.B. die Migräne nach Erstmanifestation im Kindesalter bei ca.
50% der Patienten auch im Erwachsenenalter weiterbestehen (8). Familiäre
Belastungen, unkontrollierte Selbstmedikation und Chronifizierung bedingen
ein erhöhtes Risiko für Analgetikamißbrauch mit medikamentös
induzierten Dauerkopfschmerzen und Analgetikabedingten Komplikationen
wie z.B. Nierenversagen. Rezidivierende oder chronische Kopfschmerzen
müssen deshalb auch schon im Kindesalter frühzeitig, grundlegend
und wirksam behandelt werden.
Epidemiologie
Es gibt Hinweise darauf, daß die Prävalenz von Kopfschmerzen
bei Kindern während der letzten 30 Jahre deutlich zugenommen hat
(7, 74, 77). Schon im Vorschulalter klagen annähernd 20% der Kinder über
gelegentliche Kopfschmerzen (76), am Ende der Grundschulzeit haben weit
mehr als die Hälfte aller Kinder nach skandinavischen und deutschen
Studien Kopfschmerzerfahrungen. Insgesamt steigt die Kopfschmerzinzidenz
bei Kindern mit steigendem Alter (1, 29, 55). Die Lebenszeitprävalenz
von Migräne nach den IHS-Kriterien liegt bei Kindern bis zum ca.
12. Lebensjahr zwischen 3,7% und 10,6%, darunter zwischen 1,5% und 2,8%
Migräne mit Aura (1, 55) mit einem annähernd ausgeglichenen
Geschlechtsverhältnis. Die Lebenszeitprävalenzraten für
den Spannungskopfschmerz in diesem Alter sind sehr viel uneinheitlicher
und schwanken je nach Studie zwischen 0,9% (55) und 72,8% (4). Für
weitere Kopfschmerzarten nach den Kriterien der IHS liegen keine validen
epidemiologischen Zahlen vor. Untersuchungen an fast 7.000 deutschen
Schülern haben gezeigt, daß ca. 90% bis zum 12. Lebensjahr
Kopfschmerzerfahrungen haben und daß es sich dabei in ca. 60% um
Kopfschmerzen vom Spannungstyp und bei ca. 12% um Migräne handelt.
Etwa 30% der kindlichen Kopfschmerzen entziehen sich (noch) einer eindeutigen
Klassifikation nach den Kriterien der IHS (63). Geschlechtsunterschiede
- speziell bei der Migräne - spielen im Kindesalter keine wesentliche
Rolle (29, 43). Ausschlaggebend für die Therapiebedürftigkeit
ist der mit den Kopfschmerzen verbundene Leidensdruck, der insbesondere
dann angenommen werden kann, wenn die Kopfschmerzen häufig auftreten,
stark sind oder lange anhalten und zu wiederholtem Schulausfall oder
regelmäßiger Schmerzmitteleinnahme führen. Der Leidensdruck
bei Mädchen steigt dabei vor der Pubertät deutlicher als bei
Jungen an (54). Zusammenfassend ist die Kopfschmerzproblematik bereits
im Kindes- und Jugendalter von weitreichender gesundheitspolitischer
Bedeutung.
Dokumentation
Voraussetzung für eine sinnvolle Therapie kindlicher Kopfschmerzen
ist das Führen eines geeigneten Kopfschmerzkalenders. Darin sollten
die Symptomstärke und Begleitsymptome sowie deren Auslöser
und Auswirkungen eingetragen werden. Ein Beispiel dafür ist in Pothmann
et al. 1991 (66) dargestellt. Kind und Eltern sollten die Kopfschmerzdauer,
Schmerzstärke, Begleitsymptome und Medikation über einen Zeitraum
von 4 bis 6 Wochen getrennt voneinander dokumentieren. Erfahrungsgemäß führt
die strukturierte Wahrnehmung und Dokumentation zur Identifikation von
individuellen Auslösern der Kopfschmerzen, so daß günstige
Verhaltensweisen besprochen werden können. Dies kann selbst bei
länger bestehenden und häufig wiederkehrenden Kopfschmerzattacken
in einigen Fällen zu einem Rückgang der Migräne beitragen
(63).
Therapie der Migräne
In diesem Kapitel werden die auf den Prinzipien
der EBM basierenden Therapieverfahren für Migräne im Kindesalter
in Empfehlungen zusammengefaßt. Die resultierenden Leitlinien im
Bereich der medikamentösen
Akuttherapie können unter sorgfältiger Berücksichtigung
der Kontraindikationen in Teilen auch auf andere Kopfschmerzformen übertragen
werden, die hier nicht eigenständig abgehandelt werden (wie z.B.
symptomatische Kopfschmerzen bei Fieber etc.). Gerade bei der Migräne
im Kindesalter gibt es eine Diskrepanz zwischen der Erfahrung von Kopfschmerzexperten
und der mangelnden Studienlage. Daher wird für diese Diagnose auch
eine pragmatische Therapie nur gestützt auf Expertenkonsens vorgeschlagen,
diese Empfehlung ist in Tabelle 1 dargestellt.
Klinisches Bild
Migräne im Kindesalter wird aufgrund derselben Kriterien diagnostiziert
wie im Erwachsenenalter; im Kindesalter kann eine Migräneattacke
jedoch kürzer sein als die für Erwachsene geforderte Mindestdauer
von 4 Stunden. Die internationale Literatur geht von einer Mindestdauer
von 2 Stunden aus. Ob Migräneattacken im Kindesalter auch noch kürzer
sein können, ist bislang nicht ausreichend evaluiert. Typisch für
das Kindesalter ist es auch, daß Kinder nicht selten im Verlauf
einer Migräneattacke einschlafen und nach kurzer Schlafzeit weitgehend
beschwerdefrei wieder erwachen. Häufig stehen im Kindesalter gastrointestinale
Begleitsymptome im Vordergrund. Außerdem gibt es eine Reihe von
periodischen Syndromen, die als Migränevorstufen oder Migräneäquivalente
interpretiert werden (35) und deren Behandlung hier in einem eigenen
Kapitel abgehandelt wird.
Therapie der akuten Migräneattacke
Für die meisten Kinder ist bei leichten Verlaufsformen mit seltenen
Anfällen ein abwartendes Verhalten sinnvoll. Häufig helfen
schon reizabschirmende Maßnahmen wie Hinlegen in einem abgedunkelten
und akustisch gedämpften Raum. Unterstützend wirkt sich oft
ein kalter Lappen auf der Stirn aus. Auch kann lokales Einmassieren von
Pfefferminzöl an Schläfe, Scheitel und Nacken helfen, leichte
bis mittelstarke Kopfschmerzen effektiv zu lindern.
Für die medikamentöse Akuttherapie der Migräneattacke
im Kindesalter liegen nur wenige kontrollierte Studien vor (Übersicht
in 20). An erster Stelle werden Ibuprofen (10 mg/kg Körpergewicht)
und Paracetamol (15 mg/kg Körpergewicht) empfohlen, welche beide
als einzige Substanzen in einer doppelblinden, placebokontrollierten
Studie mit ausreichender Patientenzahl eine Wirksamkeit gezeigt haben.
Ibuprofen war dabei Paracetamol in Bezug auf Schmerzfreiheit nach 2 Stunden
signifikant überlegen (32). Als Ausweichpräparat kann unter
Umständen Dihydroergotamin oral gegeben werden, welches jedoch nur
in einer Studie mit geringer Patientenzahl bei ansonsten therapieresistenter
Migräne wirksam gewesen ist und daher nur mit Zurückhaltung
eingesetzt werden sollte (33), zumal es nur ein inkonstantes Resorptionsverhalten
zeigt. Ergotamintartrat war in einer vorzeitig beendeten Studie nicht
erfolgreich (13). Für orales Sumatriptan (50-100 mg) konnte in doppelblinden,
placebokontrollierten Studien ebenfalls keine signifikante Überlegenheit
gegen Placebo trotz hoher Wirksamkeit gezeigt werden (34, 38). Auch orales
Rizatriptan (5 mg) bei Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren
war in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie nicht wirksam
(95).
Für schwere und durch die o.g. Medikamente nicht beherrschbare
Attacken wird intranasales Sumatriptan empfohlen. Dieses hat als bislang
einziger selektiver Serotonin-1B/D-Agonist (sog. Triptane) eine signifikante
Wirksamkeit bei Jugendlichen in einer großen Studie (N=510) (94)
mit einer Dosierung zwischen 5 und 20 mg und in einer kleineren Studie
bei Kindern unter 12 Jahren (N=14) (90) mit einer Dosis von 20 mg gezeigt.
Post-hoc-Analysen von zwei doppelblinden, placebokontrollierten Studien
haben auch für Zolmitriptan in einer Dosis zwischen 2,5 und 5 mg
bei Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr eine signifikante Wirksamkeit
ergeben (49, 82, 89). Offene Studien deuten auf eine Wirksamkeit auch
von subkutanem Sumatriptan und von intravenösem Dihydroergotamin
bei schweren Migräneattacken in Kindesalter hin (44, 45, 48). Die
Gabe dieser Medikamente sollte jedoch einem Kopfschmerzspezialisten vorbehalten
bleiben. Als adjuvante Gabe zur Behandlung der Übelkeit und zur
Resorptionssteigerung der nachfolgend verabreichten Analgetika wird Domperidon
im Kindesalter empfohlen, obwohl hierzu keine Studie vorliegt. Es ist
zu berücksichtigen, daß ergotaminhaltige Präparate, die
sog. Triptane und Domperidon für das Kindesalter bislang nicht zugelassen
sind. Andere Substanzen zur Behandlung der akuten Migräneattacke
sind bislang nicht in Studien im Kindesalter evaluiert worden.
Die in der Behandlung bei Erwachsenen häufig eingesetzten Substanzen
Metoclopramid und Acetylsalicylsäure (ASS) werden für Kinder
unter 14 bzw. unter 12 Jahren nicht empfohlen. Sollte ASS dennoch eingesetzt
werden, sollten die Einzeldosis bis 10 mg/kg Körpergewicht und die
Tagesdosis bis 25 mg/kg Körpergewicht (kritische Grenzdosis für
das Auftreten eines Reye-Syndroms) betragen (60).
Tabelle 2 gibt eine Übersicht und Dosierungshinweise, Abbildung
1 gibt das empfohlene Stufenschema für die Behandlung akuter Migräneattacken
im Kindesalter wieder.
Medikamentöse Prophylaxe der Migräne
Im Einzelfall ist auch
im Kindesalter die Indikation für eine medikamentöse
Prophylaxe der Migräne zu stellen. Indikationen dafür sind
eine Frequenz von mehr als drei Migräneattacken pro Monat, hoher
Leidensdruck z.B. durch häufiges Schulversäumnis, sehr starke
Schmerzen, lange Anfallsdauer (>48 Stunden) und fehlende Wirksamkeit
einer geeigneten Akutbehandlung. Die zur Einleitung einer medikamentösen
Prophylaxe führenden Kriterien sollten durch einen Migränekalender
gut belegt sein. Die Prophylaxe sollte oral über einen Zeitraum
von 3 bis 6 Monaten erfolgen.
Für die medikamentöse Prophylaxe der Migräne im Kindesalter
liegen mehr kontrollierte Studien vor als für die Akuttherapie (Übersicht
in 20). Zu beachten ist, daß diese Studien sämtlich ohne vorberechnete
ausreichende statistische Power durchgeführt worden sind. Die einzigen
Substanzen, die dabei in wenigstens einer doppelblinden und placebokontrollierten
Studie eine migräneprophylaktische Wirksamkeit im Kindesalter nachgewiesen
haben, sind Flunarizin (84, 85), Propranolol (46), Pizotifen (69) und
Papaverin (75). Für Flunarizin liegen auch weitere offene Studien
mit positivem Ergebnis vor (22, 30, 41), während Propranolol und
Pizotifen in anderen kontrollierten Studien auch negative Ergebnisse
zeigten (23, 26, 57). Nimodipin und Trazodon waren in einer doppelblinden
und placebokontrollierten Studie nur in einem Teil der Zielkriterien
wirksam (5, 6). Hinweise auf eine Wirksamkeit durch einen indirekten
Vergleich in einer doppelblinden kontrollierten Studien gibt es auch
für ASS im Vergleich mit Flunarizin (61). Metoprolol war in einer
doppelblinden Vergleichsstudie gegenüber Dihydroergotamin zwar im
direkten Vergleich nicht unterschiedlich wirksam, zeigte aber anders
als Dihydroergotamin im Vergleich zu einer Placebophase eine signifikante
Wirksamkeit (64). Für Amitriptylin und Valproat liegen bislang nur
offene Verlaufsbeobachtungen vor, die eine Wirksamkeit gegenüber
der Baseline berichten (12, 19, 37, 83).
Nicht wirksam in placebokontrollierten doppelblinden Studien waren Clonidin
(73, 78), Dihydroergotamin (65), Timolol (56) und Tryptophan (70).
Flunarizin muß als die am besten untersuchte wirksame Substanz
für das Kindesalter gelten, die jedoch ein hohes Nebenwirkungsspektrum
aufweist. Ebenso kommen auch Betablocker (Propranolol und mit geringerer
Evidenz Metoprolol) als Mittel der ersten Wahl in Betracht. Diese Empfehlung
stützt sich jedoch mehr auf Erfahrungen von Kopfschmerzexperten über
Wirksamkeit und Nebenwirkungen bei Kindern und auf die Analogie zum Erwachsenenalter
als auf die aktuelle Studienlage. Wegen des vergleichsweise ungünstigen
Nebenwirkungsprofils (deutliche Gewichtszunahme und Müdigkeit) kann
Pizotifen nur als Substanz der zweiten Wahl empfohlen werden. Für
ASS gibt es nur einen indirekten Wirksamkeitsnachweis, so daß auch
diese Substanz nur als zweite Wahl empfohlen werden kann. Zusätzlich
kann in Analogie zu den Therapieempfehlungen für Erwachsene (15),
jedoch ohne wissenschaftliche Evidenz, auch noch Valproat als Reservesubstanz
empfohlen werden, da für den Einsatz dieser Substanz aufgrund von
anderen Indikationen genügend Erfahrungen im Kindesalter vorliegen
und eine Wirksamkeit auch im Kindesalter angenommen werden kann. Valproat
sollte wegen der potentiellen hepatotoxischen Nebenwirkungen nur von
einem mit dieser Substanz erfahrenen Arzt verabreicht werden. Wegen der
nur geringen Erfahrungen in Deutschland werden Nimodipin, Papaverin und
Trazodon überhaupt nicht zur Migräneprophylaxe im Kindesalter
empfohlen.
Tabelle 3 gibt eine Übersicht über die zur Migräneprophylaxe
im Kindesalter empfohlenen Substanzen und Dosierungen.
Nicht-medikamentöse Prophylaxe der Migräne
Unter den Therapeuten,
die sich mit der Behandlung der kindlichen Migräne
beschäftigen, besteht weitgehend Einigkeit darüber, daß nicht-medikamentöse
prophylaktische Maßnahmen, insbesondere verhaltensmedizinische
Verfahren, bei Kindern eine sehr hohe Erfolgsrate aufweisen. Im folgenden
werden die in kontrollierten Studien evaluierten Verfahren vorgestellt,
wobei die Kriterien von EBM für nicht-medikamentöse Studien
nur begrenzt angewendet werden können.
Die erfolgreichen verhaltensmedizinischen Verfahren bei kindlichen Kopfschmerzen
lassen sich drei Hauptgruppen zuordnen:
- Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelrelaxation nach
Jacobson und Phantasiereisen sowie mit Einschränkungen das Autogene
Training
- Biofeedback-Verfahren (Hauterwärmungstraining, Vasokonstriktionstraining,
EMG-Feedback, Neurofeedback)
- Verhaltensmedizinische "Multikomponentenprogramme",
die neben den beiden erst genannten Therapieansätzen das Erlernen
von Streß- und Schmerzbewältigung und das Reizverarbeitungstraining
in den Mittelpunkt der Behandlung stellen. Diese Programme berücksichtigen
neben dem Erlernen von Techniken auch die Elternarbeit und die Edukation.
Bei der progressiven Muskelrelaxation lernen die Kinder die verschiedenen
Muskeln ihres Körpers kennen, spannen sie sukzessiv für kurze
Zeit an und entspannen sie dann wieder. Sie wird im Kindesalter durch
Imaginationsaufgaben (z.B. Phantasiereisen) erweitert. Das Autogene Training
ist wahrscheinlich weniger wirksam und für Kinder unter 10 Jahren
nicht empfehlenswert. In einer kontrollierten randomisierten Studie konnte
auch die prophylaktische Wirksamkeit von schlafhygienischen Maßnahmen
bei Kindern nachgewiesen werden (10). Bei den Biofeedback-Verfahren werden
meistens die Spannung des M. frontalis oder M. temporalis (39, 40) und
die Hauttemperatur (68), seltener der Diameter der A. temporalis (71)
aufgezeichnet und den Kindern akustisch oder optisch zurückgemeldet.
In einer jüngst erschienenen Studie ist das sog. Neurofeedback beschrieben,
das darauf abzielt, die kortikale Reizverarbeitungsstörung über
die Messung und Rückmeldung langsamer Hirnpotentiale positiv zu
beeinflussen (80). Die Kinder erlernen dann, diese Signale zu beeinflussen.
Verhaltensmedizinische Multikomponentenprogramme sind meist aus folgenden
Bausteinen zusammengesetzt:
- Aufklärung über die Kopfschmerzen, Entwicklung eines einfachen
Schmerzmodells (Edukation)
- Erkennen von Auslösern durch Führen
eines Kopfschmerztagebuchs
- Erlernen eines Entspannungsverfahrens (alternativ
oder additiv Biofeedback)
- Erkennen eines Zusammenhangs zwischen Streß-
bzw. Reizsituationen und körperlichen Reaktionen
- Erlernen von Streßbewältigung
bzw. Reizverarbeitung wie Erkennen negativer Gedanken, kognitive Umstrukturierung,
gedankliche Schmerzkontrolle, Selbstsicherheit, Problemlösestrategien
- Erlernen
spezieller Schmerzbewältigung wie z.B. Aufmerksamkeitsumlenkung
- Informationen für Eltern
Es liegt eine Reihe von Studien zum Einsatz psychotherapeutischer Verfahren
bei kindlicher Migräne oder bei kindlichen Kopfscherzen verschiedener Ätiologie
vor. So hat sich gezeigt, daß Entspannungsverfahren und Biofeedback-Verfahren
vergleichbar effektiv sind in der Beeinflussung von Kopfschmerzen im
Kindesalter (39, 40), das Vasokonstriktionstraining scheint jedoch im
Kindesalter keinen spezifischen Vorteil zu haben (71). Die Entspannungsverfahren
haben den Vorteil, daß die Kinder von Geräten unabhängig
sind und sie direkt im Alltag, z.B. vor oder gar während einer Klassenarbeit,
eingesetzt werden können. Die Biofeedback-Verfahren sind für
Kinder motivierend, da sie an dem heutigen Medienverhalten ansetzen.
Evaluierte verhaltenstherapeutische Programme liegen ebenfalls vor (14,
47, 51), früher sind ähnliche Programme auch unter dem Namen
Konkordanztherapie für Kinder evaluiert worden (25). Alle Programme
können therapeutengeleitet in einem Einzelkontakt oder in einer
Gruppe durchgeführt werden, Studien die die Überlegenheit eines
bestimmten Settings belegen, liegen nicht vor. Eine 1995 publizierte Übersicht,
die die verhaltenstherapeutischen und pharmakologischen Verfahren zur
Prophylaxe kindlicher Migräne evaluiert hat, ist zu dem vorläufigen
Ergebnis gekommen, daß die verhaltenstherapeutischen Verfahren
statistisch eine ähnliche Wirksamkeit wie die pharmakologischen
Verfahren aufweisen (36). Gegenüber den pharmakologischen Verfahren
haben verhaltensmedizinische Techniken wahrscheinlich eine bessere Langzeitwirkung.
Es gibt Hinweise, daß eine oligoantigene Ernährung bei Kindern
zu einer Senkung der Migränefrequenz und -intensität führen
kann, ein ausreichender Nachweis der klinischen Wirksamkeit nach den
Kriterien der EBM ist jedoch noch nicht erbracht (17, 24). In den bisherigen
Studien zeigte sich diese Verfahren insbesondere bei Kindern mit einer
hohen Migränefrequenz (wenigstens einmal pro Woche) und weiteren
Begleitsymptomen als wirksam. Das Fortlassen folgender Nahrungsbestandteile
hatte statistisch einen positiven Einfluß auf Migräne bei
Kindern: Kuhmilch, Lebensmittelfarbstoffe, Konservierungsstoffe, Schokolade,
Weizenmehl, Eier, Käse, Tomaten, Fisch, Schweinefleisch, Soja (17).
In jedem Fall muß individuell ausgetestet werden, welche Nahrungsbestandteile
zu einer Verstärkung der Migräne führen können und
inwieweit eine entsprechende Eliminationsdiät tatsächlich den
gewünschten Erfolg hat. Welche Mechanismen in diesem Zusammenhang
die Migräne beeinflussen, ist nicht belegt. Möglicherweise
ist hier zusätzlich auf Verhaltensebene auch die veränderte
Familieninteraktion wirksam. Für die Akupunktur liegen bislang für
das Kindesalter nur unzureichend aussagefähige Studien vor. In Analogie
zu Studien bei Erwachsenen kann keine abschließende Empfehlung
für Akupunktur bei kindlicher Migräne gegeben werden, eine
Wirksamkeit ist jedoch möglich (53). Sowohl für die Ernährungsberatung
als auch für die Akupunktur bei kindlicher Migräne besteht
weiterer Forschungsbedarf. Studien zur Wirksamkeit der Homöopathie
in der Migräneprophylaxe bei Kindern liegen, anders als bei Erwachsenen
(92, 93), nicht vor.
Eine Übersicht über die in der nicht-medikamentösen Prophylaxe
der Migräne und z.T. auch des Kopfschmerzes vom Spannungstyp empfohlenen
Verfahren gibt Tabelle 4. Aus ökonomischen Gründen und aufgrund
mangelnder Verfügbarkeit kommen diese Verfahren im Alltag nur für
Kinder mit einer überdurchschnittlich starken Migräne in Betracht.
Migräneähnliche Syndrome (sog. Migräneäquivalente)
Es
gibt eine Reihe von Syndromen, die typischerweise in der Kindheit auftreten
und von denen man weiß, daß sie signifikant gehäuft
in eine Migräne übergehen oder mit einer Migräne assoziiert
sind. Der pathophysiologische Zusammenhang ist noch weitgehend ungeklärt.
Für die Episodische Ataxie Typ II ist ein genetischer Zusammenhang
mit der Familiären Hemiplegischen Migräne inzwischen bewiesen
(allele Erkrankungen). Die Kriterien der IHS zählen zu diesen Syndromen
den gutartigen paroxysmalen Schwindel in der Kindheit und die alternierende
Hemiplegie in der Kindheit sowie im allgemeinen periodische Syndrome
mit zyklischem Erbrechen. Wahrscheinlich gehören auch die episodischen
Ataxien, die in der Kindheit beginnen, zu diesen Formenkreis. Für
das zyklische Erbrechen in der Kindheit, das zusammen mit Migränesymptomen
einhergeht (sog. abdominelle Migräne) und ein signifikanter Prädiktor
für eine Migräne nach der Pubertät ist (16), ist in einer
doppelblinden place-bokontrollierten Studie die prophylaktische Wirksamkeit
von Pizotifen in einer Dosis von 0,5 bis 0,75 mg pro Tag nachgewiesen
worden (87). Offene Studien bestätigen diese Wirksamkeit (16). Für
die alternierende Hemiplegie der Kindheit liegen eine größere
offene Studie und mehrere Fallserien vor, die auf eine prophylaktische
Wirksamkeit von Flunarizin in einer Dosis von 5 bis 25 mg pro Tag zur
Senkung der Symptomdauer hindeuten (9, 79).
Auf der Grundlage der spärlichen Datenlage kann für die medikamentöse
Prophylaxe der migräne-ähnlichen Syndrome Flunarizin in einer
täglichen Dosis von 5 bis 10 mg (im Einzelfall auch höher)
empfohlen werden. Für das zyklische Erbrechen in der Kindheit kann
- unter sorgfältiger Berücksichtigung der starken Nebenwirkungen
(s.o.) - Pizotifen in einer Dosis von 0,5 bis 1 mg pro Tag gegeben werden.
Andere Maßnahmen sind nicht ausreichend validiert.
Kopfschmerzen vom Spannungstyp
Kopfschmerzen vom Spannungstyp unterscheiden
sich semiologisch im Kindesalter nicht grundsätzlich vom Erwachsenenalter, so unterscheidet man auch
bei Kindern eine episodische Form (Kopfschmerzen an weniger als 15 Tagen
pro Monat) und eine chronische Form (Kopfschmerzen an mehr als 15 Tagen
pro Monat). Es gibt Hinweise darauf, daß episodische Kopfschmerzen
vom Spannungstyp im Kindesalter kürzere Attackendauern von unter
30 Minuten aufweisen können, außerdem ist das gleichzeitige
Auftreten von Migräne und Kopfschmerzen vom Spannungstyp bei Kindern
möglicherweise häufiger als bei Erwachsenen. Für Kinder
werden jedoch dieselben diagnostischen Kriterien der IHS eingesetzt wie
für Erwachsene. Viele der für die Migräne geltenden Therapieempfehlungen,
insbesondere die nicht-medikamentöse Prophylaxe, können auch
auf den Kopfschmerz vom Spannungstyp angewendet werden.
Therapie episodischer Kopfschmerzen vom Spannungstyp
Für die Therapie der akuten Attacke beim episodischen Kopfschmerz
vom Spannungstyp gelten weitgehend auch die Empfehlungen für die
Therapie akuter Migräneattacken. Nicht angewendet werden dürfen
beim Kopfschmerz vom Spannungstyp ergotaminhaltige Präparate und
Triptane. Allerdings muß darauf hingewiesen werden, daß für
sämtliche empfohlenen Substanzen keine doppelblinden und placebokontrollierten
Studien für diese Indikation vorliegen und es sich somit um eine
Analogieempfehlung handelt. In einer doppelblinden Vergleichsstudie sind
für den Kopfschmerz vom Spannungstyp die Substanzen Flupirtin (50
mg im Alter 6 bis 8 und 100 mg im Alter 9 bis 12) und Paracetamol (250
mg im Alter von 6 bis 8 und 500 mg im Alter von 9 bis 12) evaluiert worden
mit einer identischen Wirksamkeit (67).
Zur Akutbehandlung von Kopfschmerzen vom Spannungstyp im Kindesalter
werden die Substanzen empfohlen, die auch als Medikamente erster Wahl
zur Behandlung akuter Migräneattacken (vg. Tabelle
2) empfohlen
werden; zusätzlich kann Flupirtin in einer Dosis von 50 bis 100
mg pro Tag eingesetzt werden.
Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) kann bei kindlichen
Kopfschmerzen eingesetzt werden, wobei die Wirksamkeit für den Kopfschmerz
vom Spannungstyp wahrscheinlich höher liegt als für die Migräne.
Bei diesem Verfahren stimuliert das Kind selbst (ab dem 6. Lebensjahr)
ein- bis zweimal täglich für 30 bis 40 Minuten mit selbstklebenden
Elektroden im Nackenbereich über ein batteriebetriebenes Taschengerät.
Dadurch werden wahrscheinlich körpereigene schmerzunterdrückende
Systeme aktiviert. Eine Reduktion von mindestens 50% der Anfälle
konnte beim Kopfschmerz vom Spannungstyp nach 1 bis 3 Monaten für
ca. 80% der Kinder in einer offenen Studie beobachtet werden (62). Der
Vorteil der TENS liegt auch in der Unabhängigkeit vom Therapeuten
und damit einer verbesserten Selbstkontrollüberzeugung.
Therapie chronischer Kopfschmerzen vom Spannungstyp
Das Konzept des chronischen
Kopfschmerzes vom Spannungstyp nach den Kriterien der IHS (d.h. an mindestens
15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen vom Spannungstyp über wenigstens ein halbes Jahr) ist bei Kindern
noch nicht ausreichend validiert. In der Prophylaxe häufiger Kopfschmerzen
vom Spannungstyp sollen in erster Linie nicht-medikamentöse Maßnahmen
eingesetzt werden. Die Wirksamkeit der in der nicht-medikamentösen
Prophylaxe der Migräne bereits beschriebenen Entspannungsverfahren
und EMG-gesteuerten Biofeedback-Verfahren ist auch für den kindlichen
Kopfschmerz von Spannungstyp belegt (11, 40). Die bei Erwachsenen mit
chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp empfohlenen trizyklischen
Antidepressiva sind bei Kindern mit dieser Indikation noch nicht hinreichend
untersucht. Mit einer Ausnahme (37) gibt es Hinweise, daß sie im
Kindesalter grundsätzlich gar nicht oder erheblich schlechter als
im Erwachsenenalter wirksam sind (2, 59).
Eine medikamentöse Prophylaxe chronischer Kopfschmerzen vom Spannungstyp
im Kindesalter kann z. Zt. aufgrund der Studienlage nicht empfohlen werden.
Zur nichtmedikamentösen Behandlung kindlicher Kopfschmerzen vom
Spannungstyp im allgemeinen werden Entspannungsverfahren, EMG-Biofeedbackverfahren,
verhaltenstherapeutische Verfahren und TENS empfohlen.
Weitere idiopathische Kopfschmerzen
Weitere idiopathische Kopfschmerzen,
die auch im Kindesalter auftreten können sind u.a. der Clusterkopfschmerz (18, 50, 52), die Chronische
Paroxysmale Hemikranie (3, 27, 42, 81), der idiopathische stechende Kopfschmerz
(86) und der benigne Kopfschmerz durch körperliche Anstrengung (58).
Die Prävalenz dieser Kopfschmerzen im Kindesalter - sowohl absolut
als auch in Relation zum Erwachsenenalter - ist nicht untersucht. Daß diese
Kopfschmerzformen auch im Kindesalter auftreten können, ist durch
Fallberichte hinreichend belegt. Clusterkopfschmerzen sind in den großen
epidemiologischen Studien bei einer kleinen Gruppe von Betroffenen bereits
ab dem 7. Lebensjahr aufgetreten, dann mit einer relativ kurzen Dauer
der einzelnen Attacke und der einzelnen Episode (18, 50). Mehr valide
Daten zur spezifischen klinischen Charakteristik dieser Syndrome im Kindesalter
liegen nicht vor. Dementsprechend gibt es auch keine kontrollierten Studien
zur spezifischen Therapie dieser idiopathischen Kopfschmerzen im Kindesalter.
In Analogie zu Erwachsenen (28) wird für Kinder mit Clusterkopfschmerzen
eine Akuttherapie mit Sauerstoffinhalation (mindestens 7 l/min reiner
Sauerstoff über 15 Minuten in aufrechter Position) oder mit Sumatriptan
s.c. (0,06 mg pro kg/KG, maximal 6 mg am Tag) empfohlen. Zur Prophylaxe
von Clusterkopfschmerzen im Kindesalter werden Verapamil oral (120-180
mg pro Tag) oder ein Cortisonstoß (Prednison oder Prednisolon über
3 Tage mit 50 mg, dann ausschleichend über 10 Tage) empfohlen. Die
Chronische Paroxysmale Hemikranie und der idiopathische stechende Kopfschmerz
sollten auch im Kindesalter mit Indometacin (bis maximal 200 mg pro Tag)
behandelt werden. Fallberichte weisen für diese Erkrankung auch
auf eine Wirksamkeit von ca. 5 mg Verapamil pro kg Körpergewicht
(72) und von 2 x 162 mg ASS (42) hin.
Medikamentös induzierte Kopfschmerzen
Auch im Kindes- und Jugendalter
kann es zu medikamentös induzierten
Dauerkopfschmerzen kommen, die durch die mißbräuchliche Anwendung
von Akutmedikamenten hervorgerufen werden. Eine Reihe von Fallberichten
oder Fallserien, die die Kriterien der IHS für diese Form der Kopfschmerzen
anwendeten, konnte dies in den letzten Jahren für den Mißbrauch
von Analgetika und von ergotaminhaltigen Substanzen zeigen (21, 88, 91).
Noch ist nicht geklärt, ob Kinder andere klinische Phänomene
und andere Prädispositionen in der Entstehung dieser Kopfschmerzform
aufweisen als Erwachsene. In einer retrospektiven Analyse konnte in den
meisten Fällen nur der wie bei Erwachsenen durchgeführte Medikamentenentzug
mit einer anschließenden konsequenten Therapie der zugrundeliegenden
primären Kopfschmerzen zu einer Besserung der täglichen Kopfschmerzen
führen; in dieser Studie wurde Amitriptylin als Begleitmedikation
während des Entzugs eingesetzt (z.B. 25 mg abends) (91).
Daher werden für Kinder mit medikamentös induzierten Dauerkopfschmerzen
in Analogie die auch für Erwachsene geltenden Therapiehinweise empfohlen
mit einer Anpassung der Dosierungen und Indikationen der Begleitmedikation
an das Kindesalter (31).
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Kontaktadresse:
Frau Sabine Deutsch-Gräbe
Frau Agnes Schreiber
Sekretariat der DMKG
Neurologischer Konsiliardienst Innenstadtkliniken
Ziemssenstr. 1, 80336 München
Tel.: 089 / 5160 - 2307
Fax: 089 / 5160 - 4915
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