Welche nichtmedikamentösen Therapieverfahren haben sich bei der Migränebehandlung bewährt?

"Nichtmedikamentöse Therapie umfaßt neben physikalischer Therapie autogenes Training, Entspannungsverfahren, Wärme, Biofeedback und andere Maßnahmen. In vergleichenden Studien können die therapeutischen Erfolge durchaus mit medikamentöser Prophylaxe konkurrieren; die Kombination mit medikamentöser Therapie ist von einem Teil der Therapeuten durchaus erwünscht und dann eher Regel als Ausnahme (Migraine Headache Prevention and Management 1990, 213-238) und wohl in der Effizienz einer alleinigen medikamentösen bzw. Verhaltenstherapie überlegen (Schmerz 1993, 7:298-303). Der Therapieerfolg korreliert direkt mit der aufgewendeten Zeit und der Motivation, die dem jeweiligen Verfahren entgegengebracht wird.
68 % von 395 Patienten wiesen 4 Jahre nach Erlernen des Myobiofeedbacks eine Minderung der Attackenfrequenz- und dauer auf, 56 % konnten die Medikamentendosis reduzieren oder absetzen (Headache 1984, 24:5-18). Nach 6 Jahren wiesen Patienten, die initial positiv auf Biofeedback angesprochen hatten, noch eine Reduktion der Kopfschmerzbelastung um 38 % auf, wobei in der Zwischenzeit keine weitere Betreuung stattgefunden hatte. Besonders sinnvoll ist ein Therapieversuch mit Biofeedback bei Kindern mit Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp. 14 von 28 Kindern lernten die Kopfschmerzattacken ausreichend zu unterbinden (Headache 1984, 24:122-126). In Einzelfällen können auch scheinbar paradoxe Therapieversuche sinnvoll sein. Während definitionsgemäß körperliche Belastung den Migräneschmerz steigert, gelingt es einzelnen Patienten durch körperliche Belastung die Attacken abzufangen (Headache 1991, 31:616-618). Intensive bitemporale Massage während der Aura bei klassischer Migräne konnte die Kopfschmerzphase bei 15 Patienten in 34 von 42 Attacken unterbrechen. Die Massage war jedoch unwirksam, wenn die Kopfschmerzen bereits begonnen hatten. Auf einem ähnlichen Ansatz beruhen Versuche, durch möglichst enge Kopfbänder, mit oder ohne Kühlung, eine Kompression der Kopfhautarterien zu bewirken (Headache 1993, 33:40-42).
Auch wenn die Wirksamkeit solcher Methoden nicht oder nur unzureichend abgesichert sind, kann insbesondere bei schwangeren Patientinnen, bei Kindern oder bei Medikamentengegnern ein Therapieversuch sinnvoll sein."

Dr med P. Schöps, München