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medikamente
wie werden clusterkopfschmerz und trigeminoautonome kopfschmerzen behandelt?
Von Arne May
Institut für systemische Neurowissenschaften
Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE)
Martinistrasse 52
20246 Hamburg
Definition und Klinik
Nach dem aktuellen Wissensstand gehören zu den trigeminoautonomen
Kopfschmerzen (Headache Classification Committee of the International
Headache Society 2004):
- der episodische und chronische Clusterkopfschmerz (CK),
- die episodische und chronische paroxysmale Hemikranie (CPH),
- das SUNCT-Syndrom (short-lasting unilateral neuralgiform headache
with conjunctival injection and tearing).
Sie unterscheiden sich in Dauer, Frequenz, Rhythmik und Intensität
der Schmerzattacken, autonome Begleitsymptome treten mehr oder weniger
stark ausgeprägt auf. Im Gegensatz zu Cluster Kopfschmerz sprechen
die chronisch-paroxysmale Hemikranie und die episodische paroxysmale
Hemikranie sprechen fast ausschließlich auf Indometacin an.
episodischer und chronischer clusterkopfschmerz (IHS
3.1)
Der Clusterkopfschmerz (CK) ist klinisch definiert als ein
attackenartig auftretender, streng einseitiger, extremster Kopfschmerz
mit Schmerzmaximum hinter dem Auge, der Männer und Frauen im Verhältnis
3:1 betrifft. Obligat ist das Auftreten von bestimmten Symptomen (kleiner
werdendes Auge, Tränen des Auges, laufende Nase oder blockierte
Nase) gleichzeitig und nur auf der Seite des Schmerzes. Die Attacken
treten 1 mal bis zu 8-mal täglich auf, klassischerweise mit einer
nächtlichen Häufung, und dauern zwischen 15 und 180 Minuten.
Typischerweise berichten die Patienten eine Bewegungsunruhe während
der Attacken. Die Attacken treten oft zur gleichen Stunde im Tagesverlauf
auf, gehäuft 1–2 Stunden nach dem Einschlafen oder in den
frühen Morgenstunden.
Therapie Medikamentös
Prinzipiell wird zwischen der Therapie der
Einzelattacke und der Prophylaxe unterschieden.
Attackenkupierung:
- Inhalation von 100% Sauerstoff über Gesichtsmaske (7–15
l/min über 15–20 min)
- 6 mg Sumatriptan s.c.
- 5-10 mg Zolmitriptan Nasenspray
- bei langen Attacken 20 mg Sumatriptan nasal
- intranasale Applikation von Lidocain 4%
Die topische Anwendung von Lokalanästhetika wie auch die von Sauerstoff
hilft nur einem Teil der Patienten und auch nicht immer. Siehe hierzu
extra Seiten für die Anwendung (freundliche Hilfe von CK-Wissen
ck-wissen.de)
Im Übrigen
ist Sumatriptan Mittel der Wahl, da es als Spritze direkt und unter Umgehung
des Magen-Darm-Traktes verabreicht werden kann und eine als Tablette
zugeführte Medikation wegen der kurzen Attackendauer von 15–180
Minuten zu spät wirkt. Es gibt es Hinweise, dass Zolmitriptan Nasenspray
fast genauso schnell wirkt. Zolmitriptan Nasenspray befindet sich im
Zulassungsverfahren.
Prophylaxe:
- Verapamil 3–4 x 80; steigern bis 480 mg/d, ggf. weiter steigern
(vorher EKG nötig),
- Kortikoide (Prednisolon) 100–250 mg initial für 2–5
Tage, dann individuell abdosieren,
- Lithium 600–1500 mg/d (Serumspiegel 0,6–0,8 mml/l)
- Topiramat (100–200 mg/d) (Ý), in Einzelfällen sind
höhere Dosierungen nötig,
- Methysergid bis zu 12 mg/d (Medikation bis max. 6 Monate Dauer).
Verapamil ist erfunden worden um das Herz langsamer zu machen und den
Blutdruck zu senken. Daraus ergeben sich auch die nebenwirkungen. in
der Dosierung von 3–4 x 80 mg täglich ist Verapamil das Mittel
der ersten Wahl bei episodischem und chronischem Clusterkopfschmerz.
In Abhängigkeit vom Therapieerfolg muss manchmal von erfahrenen
Spezialisten unter kardialer Kontrolle auch höher dosiert werden.
Kortikosteroide werden häufig zusätzlich eingesetzt, z.B. im
Sinne einer überbrückenden Therapie bei langsamem Wirkungseintritt
von Verapamil. Einzelberichte beschreiben einen positiven Effekt von
Topiramat (Ein Medikament gegen Epilepsien). Im Gegensatz zu anderen
trigeminoautonomen Kopfschmerzen wirkt Indometacin nicht. Insbesondere
die Therapie des chronischen Clusterkopfschmerzes ist schwierig und benötigt
häufig auch Kombinationen der oben genannten Medikamente und einen
erfahrenen Arzt. In diesem Fall ist meist eine Überweisung zu einer
spezialisierten Kopfschmerzambulanz nötig.
Operative Verfahren
Erst nach Versagen aller medikamentösen Maßnahmen und sicherem
Ausschluss eines symptomatischen CK sind in absoluten Ausnahmefällen
operative Verfahren zu erwägen. Der Grund liegt darin, dass sie
offenbar nicht immer und nicht dauerhaft eine Besserung der Symptomatik
bewirken, jedoch die Gefahr einer zusätzlich und dann künstlich
hervorgerufenen Neuralgie des N. trigeminus oder einer anderen Schmerzart
bergen. In einigen (wenigen) Fällen ist die unspezifische Blockade
des N. occipitalis major erfolgreich (Ambrosini et al. 2005) und daher
auf jeden Fall vor einer operativen Therapie zu versuchen. Von neurodestruierenden
Verfahren wird abgeraten.
episodische und chronische paroxysmale hemikranie (CPH; IHS 3.2)
Klinik
Das plötzliche Auftreten von attackenartigen Schmerzepsioden (paroxysmal),
der Schmerzcharakter, die Intensität und die Lokalisation
sind bei der paroxysmalen Hemikranie dem Clusterkopfschmerz sehr ähnlich.
Ebenso lassen sich einzelne Schmerzepisoden nicht selten durch Triggerfaktoren
wie Alkohol auslösen und werden von Tränenlaufen oder Rötung
der Augen begleitet. Wichtige Unterschiede zum Clusterkopfschmerz sind
dagegen die kürzere Dauer einzelner Attacken (2–45 min) und
die höhere Häufigkeit (5–40, durchschnittlich 10 Attacken
täglich). Darüber hinaus sind die autonomen Begleitsymptome
oftmals weniger stark ausgeprägt.
Therapie
Indometacin ist eigentlich ein Rheumamittel und Schmerzmittel und wird
in 3 x 50 mg am Tag, ggf. erhöhen auf 200 mg, immer unter Magenschutz
dosiert .
Indometacin wird auf drei Tagesdosen, nach den Mahlzeiten eingenommen,
verteilt. Selten benötigen einige Patienten höhere Dosierungen
bis zu 300 mg/d (wegen der kurzen Halbwertszeit von 4 Stunden häufig
und kleinere Dosen einsetzen). Alle Patienten sollten insbesondere aufgrund
der häufig erforderlichen Dauertherapie einen Magenschutz (Medikation)
kombinieren. Für gewöhnlich wird nach Sistieren der Schmerzen
die Dosis reduziert, bis es zu einem Wiederauftreten der Schmerzen kommt,
so kann eine sog. Erhaltungsdosis gefunden werden.
short-lasting uniform
neuralgiform headache with conjunctival injection and tearing (SUNCT;
IHS 3.3)
Klinik
Die Bezeichnung dieses Kopfschmerzsyndroms beschreiben bereits die wesentlichen
klinischen Charakteristika. Patienten mit der Diagnose eines SUNCT klagen über
extrem kurz dauernde (15 sec-2 min) einschießende Attacken neuralgiformen
Schmerzcharakters heftigster und nicht selten vernichtender Intensität.
Die Attacken treten durchschnittlich bis zu 60-mal täglich auf (gelegentlich
sogar bis zu 200-mal täglich) und sind streng einseitig am oder
im Auge. Wie alle TAKs geht das SUNCT mit den oben beschriebenen Begleitsymptomen
einher, jedoch beschränken sie sich im Allgemeinen auf die Rötung
des Auges und das ausgeprägte Tränenlaufen. Der Unterschied
zum Clusterkopfschmerz ist die wesentlich höhere Attackenfrequenz
(bis 200x am Tag), die kürzere Dauer einzelner Schmerzattacken (Sekunden
bis selten Minuten) und der neuralgiforme Charakter der Schmerzen.
Therapie
Studien zur Behandelbarkeit existieren nicht, lediglich einzelne Fallberichte
in der Literatur berichten vereinzelte Erfolge durch die Gabe von bestimmten
Medikamenten gegen Epilepsie, z.B. Lamotrigin, Gabapentin und Topiramat.
In letzter Zeit häufen sich Einzelfallbeschreibungen zur Wirksamkeit
von Lamotrigin, so dass ein Therapieversuch mit dieser Substanz vielversprechend
erscheint
selbsthilfegruppen
ck-wissen.de
www.clusterkopfschmerzen.net
www.clusterkopf.de
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Cluster
Kopfschmerz |
Paroxysmale Hemikranie |
SUNCT
Syndrom |
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Akuttherapie:
- Mittel der 1. Wahl - |
Inhalation Sauerstoff ()
Sumatriptan (Imigran®) 6mg s.c. ()
Zolmitriptan (Zomig®) 5mg nasal () |
derzeit keine wirksame Therapie bekannt |
derzeit keine wirksame Therapie bekannt |
Akuttherapie:
- Mittel der 2. Wahl- |
Instillation von Lidocain Nasenspray
()
bei langen Attacken: Sumatriptan nasal ()oder Zolmitriptan
5mg p.o. (Ý) |
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Prophylaxe
- Mittel der 1. Wahl - |
Verapamil (z.B. Isoptin®) bis 560mg ()
Kortikoide 100mg (), evt. höher dosiert |
Indometacin 100-200mg () |
Lamotrigen (Lamictal®)
100-200mg () |
Prophylaxe
- Mittel der 2. Wahl - |
Lithium (z.B. Quilonum®) nach Spiegel()
Methysergid (Deseril®) 8-12mg ()
Topiramat (Topamax Migräne ®) 100-200mg () |
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Gabapentin (Neurontin®)
1800-2400mg () |
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- andere therapeutische. Optionen
und Einzelfall-beschreibungen |
Valproinsäure (z.B. Ergenyl chrono® )
()
DHE-i.v. über Perfusor ()
Pizotifen 3x0.73mg ()
Capsaicinsalbe topisch in das zum Schmerz ipsilaterale Nasenloch
() |
Verapamil ()
Acetazolamid ()
COX-Hemmer () |
Valproinsäure ()
Topiramat () |
literatur
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